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EMS – Abnehmen durch Muskelstimulation?

Seit einigen Jahren wird sportliche Betätigung mit EMS Training oder Elektromuskelstimulation als gezielte Maßnahme zum schnellen Muskelaufbau immer beliebter. Viele erfolgreiche Spitzensportler sollen ihre hohe Leistungsfähigkeit dieser Methode zu verdanken haben. Elektromuskelstimulation regt mittels Reizstrom die Muskulatur in allen Körperbereichen an und führt dadurch zu mehr Fitness. Immer mehr Menschen machen sich das EMS Training auch zunutze, um Gewicht zu reduzieren und die Fettverbrennung anzukurbeln.

EMS Training

EMS Training ©iStockphoto/pyotr021

In Deutschland und Österreich haben in den letzten Jahren hunderte Fitnessstudios eröffnet, die sich darauf spezialisieren. Der Markt für EMS Geräte boomt und Anbieter werben damit, dass diese hochmoderne Trainingsmethode bis zu viermal effektiver ist als herkömmliches Workout. Elektromuskelstimulation wird vielerorts als schnelle und einfache Methode auf dem Weg zur Traumfigur angepriesen und soll ermöglichen, innerhalb weniger Monate bis zu zwanzig Kilogramm abzunehmen. Für Menschen, die bereit sind, mit konsequentem Training und hohem finanziellen Aufwand ihren überflüssigen Pfunden zu Leibe zu rücken, ist diese Methode durchaus geeignet. Regelmäßig durchgeführtes EMS Training ist nicht nur im Kampf gegen Übergewicht eine effektive Maßnahme, sondern auch mit vielen angenehmen Nebeneffekten verbunden, um Gesundheit, Aussehen und Wohlbefinden zu verbessern.

Was ist EMS Training?

Die Elektromuskelstimulation stammt ursprünglich aus dem Bereich der Physiotherapie und wird schon seit etwa fünfzig Jahren erfolgreich gegen unterschiedliche neurologische Leiden und in der Rehabilitation nach Unfällen und Erkrankungen des Bewegungsapparates angewandt. Durch ständige technische Weiterentwicklung stehen seit einigen Jahren auch hochmoderne Methoden zur Verfügung, die auch in anderen Bereichen eingesetzt werden können. Medizinische Elektromuskelstimulation beruht darauf, mithilfe von Reizstrom krankheitsbedingtem oder durch falsche Lebensgewohnheiten entstehenden Muskelschwund zu vermeiden.

Im Hochleistungssport hat sich diese Methode ebenfalls bewährt, um den gezielten Muskelaufbau zu fördern. Die Patienten oder Athleten werden an ein Gerät angeschlossen, das elektrische Impulse aussendet, die der Therapeut oder Trainer auf die jeweilige körperliche Konstitution anpasst und während des Ausführens der Übungen reguliert. Das Training beinhaltet herkömmliche Bewegungsabläufe wie etwa Sit-ups, Kniebeugen oder Übungen mit Hanteln. Damit die elektrischen Impulse den Trainingseffekt intensivieren können, ist das Tragen spezieller Funktionskleidung notwendig, die den Reizstrom in die Muskeln leitet. Diese Kleidung wird als Bodyformeranzug bezeichnet, der aus einer verkabelten Weste, einem Hüftgurt sowie Arm- und Beinmanschetten besteht, einen hohen Tragekomfort verspricht und waschbar ist. An dem Anzug sind zwanzig Klebeelektroden angebracht, die als Impulsgeber direkt auf die einzelnen Muskelfasern beziehungsweise motorischen Nerven wirken und bestimmte biochemische Abläufe in Gang setzen, um die Muskelkontraktion zu verstärken. Mit dem daran angeschlossenen Gerät können alle Körperpartien gezielt dort angesteuert werden, wo effizienter Muskelaufbau gewünscht wird. Damit der Strom geleitet werden kann, muss die Kleidung zu Beginn jeder Trainingseinheit feucht sein.

Während des Trainings werden elektrische Impulse von dem EMS-Gerät aus an die Muskulatur weitergegeben. Da diese im Niederfrequenzbereich liegen, sind keine unangenehmen Stromschläge zu befürchten. Die niedrige Frequenz macht Elektromuskelstimulation für Menschen aller Altersgruppen unbedenklich. Auch gesundheitliche Risiken sind bei gesunden Personen ausgeschlossen, da die elektrischen Impulse nur auf die Skelettmuskulatur und nicht auf die Muskelfasern des Herzens und anderer Organe wirken. Dennoch werden im Zuge des EMS Trainings auch tieferliegende Schichten der Muskulatur stimuliert, die bei herkömmlichen Trainingsmethoden nicht erreicht werden können. Während die Übungen ausgeführt werden, sendet das EMS-Gerät einige Sekunden lang Elektroimpulse, danach folgt eine ebenso lange Pause. Die Stimulation des Reizstromes bewirkt, dass sich die Kontraktion der Muskelfasern im Zuge der körperlichen Aktivität zusätzlich verstärkt. Dadurch sind im Vergleich zu Ausdauersport deutlich kürzere Trainingszeiten notwendig, um konstant Muskelmasse aufzubauen. Bereits zwei wöchentliche Sitzungen von je zwanzig Minuten genügen in der Regel, um in wenigen Wochen ein deutliches Resultat zu erzielen.

Effektivität und Erfolgsaussichten

EMS Training ist seit einigen Jahren auch im Fitnessbereich Gegenstand von wissenschaftlichen Studien, die dessen Wirksamkeit bestätigen. Einige Untersuchungen an deutschen Sportuniversitäten ergaben, dass nach einer sechsmonatigen Trainingsphase ein Muskelwachstum von bis zu vierzehn Prozent zu verzeichnen ist. Vor allem im Bereich des Rückens ist mit einer deutlichen Stärkung der Muskulatur zu rechnen. Dies kommt vor allem Menschen zugute, die berufsbedingt unter Verspannungen oder Haltungsschäden leiden. Auch durch Übergewicht ausgelöste Rückenschmerzen können durch regelmäßiges EMS Training deutlich gelindert werden.
Der Erfolg der Elektromuskelstimulation lässt nicht lange auf sich warten. Bereits nach wenigen Sitzungen sind Besserungen der Körperhaltung zu beobachten, eine sichtbare Reduktion des Körperumfanges zeigt sich bei vielen Trainierenden bereits nach sechs Wochen. Nach etwa drei Monaten sollte bei allen Menschen, die EMS Training zweimal wöchentlich durchführen, eine deutliche Reduzierung des Körperumfangs feststellbar sein.

Abnehmen mit EMS Training

Die Elektromuskelstimulation dient in erster Linie dem gezielten Aufbau von Muskelmasse, wird jedoch auch erfolgreich im Kampf gegen Übergewicht eingesetzt. Im Zuge des herkömmlichen Trainings können Normaltrainierende bis zu vierzig, Leitungssportler maximal siebzig Prozent aller Muskelfasern anspannen. Mit EMS kann der Trainingseffekt bei bis zu 95 Prozent der Muskulatur, auch der tieferliegenden Schichten erreicht werden. Eine positive Wirkung auf die Figur ergibt sich dabei in der Anfangsphase nicht aus der Reduktion von Körpergewicht, denn grundsätzlich sind Abnehmen und Fettverbrennung nur durch intensive Bewegung möglich. Diese ist bei EMS Training jedoch nicht gegeben. Daher zeigt sich der Erfolg für die schlanke Linie anfänglich nicht auf der Waage, sondern ausschließlich durch die Reduktion des Körperumfangs.

Mit EMS Training kann die Muskulatur im Bereich der typischen Problemzonen an Bauch, Hüften und Oberschenkeln gezielt gestärkt werden. Wird auch die Tiefenmuskulatur stimuliert, kommt es zu einer erhöhten Stoffwechselaktivität, da bestimmte Enzyme vermehrt gebildet werden, die die Fett- und Kohlenhydratverdauung verbessern. Darüber hinaus verbraucht Muskelgewebe deutlich mehr Energie als Fettgewebe. Diese Energie holt sich der Organismus aus Fetten, die ihm mit der Nahrung zugeführt werden ebenso wie aus den Depots an den Problemzonen. Ein funktionierender Stoffwechsel ist daher mit einem deutlich erhöhten Energieverbrauch verbunden, weshalb EMS Training sich indirekt auch äußerst positiv auf die Fettverbrennung auswirkt.

Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist eine merkbare Straffung des Bindegewebes, die vor allem Menschen zugute kommt, die in kurzer Zeit viel Gewicht verlieren. Da die Muskeln an den Problemzonen definiert werden, zeigt sich auch eine deutliche Milderung der Orangenhaut. Daher eignet sich EMS Training als unterstützende Maßnahme im Zuge einer Diät oder auch zur gezielten Straffung der Körperkonturen, wenn die Bikinisaison näherrückt.

Nachteile von EMS Training

Obwohl das EMS Training nicht auf die Organmuskulatur wirkt, ist es für bestimmte Personengruppen durch die Stromeinwirkung nicht geeignet. Diabetiker, Menschen, die einen Herzschrittmacher tragen, unter Arteriosklerose, Tuberkulose oder Durchblutungsstörungen leiden, sowie schwangere Frauen dürfen diese Trainingsmethode keinesfalls anwenden. Auch neurologische Erkrankungen wie etwa Epilepsie, Tumore, offene Wunden sowie akute, durch Viren oder Bakterien hervorgerufene Entzündungen machen die Durchführung von EMS Training unmöglich. Grundsätzlich sollten vor allem ältere Menschen, die Elektromuskelstimulation zum Abnehmen nutzen möchten, im Zweifelsfall immer zuerst mit einem Arzt Absprache halten, um mögliche gesundheitliche Risiken auszuschließen.

Viele Menschen, die EMS Training ausprobiert haben, berichten über sensationelle Abnehmerfolge, betonen jedoch auch, dass diese Methode zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig ist. Nicht nur das Tragen der feuchten Funktionskleidung kann sich unangenehm anfühlen, auch die Stromstöße sind zu Beginn mit ungewohnten Gefühlen verbunden, die viele Menschen abschrecken. Vor allem dann, wenn der Reizstrom auf die entspannte Muskulatur wirkt, fühlen sich viele ungeübte Trainierende zunächst wie gelähmt. Dies gibt sich jedoch, sobald sich ein Rhythmus eingespielt hat und die Stromstöße nur dann erfolgen, wenn die Körperpartie während des Workouts angespannt wird. Besonders Menschen, die sich zuvor kaum oder nur gelegentlich sportlich betätigt haben, klagen zudem in der Anfangsphase über starken Muskelkater. Es dauert allerdings meist nur maximal zwei Wochen, bis sich die Muskulatur an diese Art des Trainings gewöhnt hat und unangenehme Schmerzen ausbleiben.

Eine sinnvolle Alternative zum herkömmlichen Workout?

Um Körperfett gezielt, mit geringem Zeitaufwand und unter professioneller Anleitung in Muskelgewebe umzuwandeln, zählt EMS Training sicher zu den effektivsten Methoden, die derzeit in Fitnessstudios angeboten werden. Viele Menschen profitieren auch davon, dass diese Methode bei intensiver Stärkung aller Muskelgruppen als äußerst gelenkschonend gilt und daher bei Übergewicht eine sanfte und gleichzeitig hocheffektive Art des Workouts darstellt. Allerdings dient EMS Training in erster Linie dem Muskelaufbau und nicht der Fettverbrennung. Diese lässt sich auf Dauer nur durch ein konsequentes Ausdauertraining erreichen.

Außerdem ist Elektrostimulation mit hohem finanziellen Aufwand verbunden, denn eine einzige Sitzung kostet je nach Fitnessinstitut zwischen zwanzig und fünfundzwanzig Euro. Zwei Trainingseinheiten pro Woche ergeben daher Kosten von bis zu zweihundert Euro pro Monat. Im Vergleich dazu ist Ausdauersport wie Joggen, Radfahren oder Schwimmen nicht nur deutlich billiger, sondern auch abwechslungsreicher. Wer regelmäßigen Ausdauersport in den Alltag integriert, kann effektiv abnehmen und genießt gleichzeitig die frische Luft und die Natur. Dafür ist der Zeitaufwand bei EMS Training deutlich geringer und stellt für Sportmuffel und berufstätige Menschen, die in der Großstadt leben, eine sinnvolle und effektive Alternative zu Laufen oder ausgiebigen Radtouren dar. Wer allerdings Körpergewicht deutlich reduzieren möchte, wird um regelmäßiges Ausdauertraining nicht herumkommen und mit zwei wöchentlichen EMS-Sitzungen alleine nur dann abnehmen, wenn gleichzeitig konsequente Änderungen der Ernährungsgewohnheiten vorgenommen werden.

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